Nicht nur Literaturbegeisterten ist es ein Begriff. Das Internationale Storytelling Festival führt heuer bereits zum 30. Mal Menschen an unterschiedliche Schauplätze in der Steiermark, Oberösterreich, Wien und Niederösterreich.

Graz ist einer der Veranstaltungsorte. Ein Treffen zum Interview mit dem Initiator, Folke Tegetthoff, ist für mich wie schon letztes Jahr, Pflicht, schliesslich möchte ich die Gelegenheit nutzen und ihm die eine oder andere Frage bei einem Spaziergang stellen…

 

Das Internationale Storytellingfestival jährt sich heuer zum 30.Mal. Was erwartet die Besucher im Jubiläumsjahr? 

Gott sei Dank das gleiche Konzept wie vor 30 Jahren. Wir präsentieren die besten Erzählkünstler aus 17 Nationen und mit deren sehr unterschiedlichen Erzählformen bringen wir Toleranz anderen Kulturen, Religionen und Andersdenkenden zum Ausdruck. Das halte ich gerade in unserer Zeit für sehr wichtig.

Zum Jubiläum haben wir eine Mischung aus Erzählern und Künstlern von vor 25 oder 30 Jahren und solchen, die zum ersten Mal dabei sind, eingeladen. Die grosse Vielfalt des Erzählens, die wir auf der Bühne präsentieren, macht das Festival so einzigartig – und zwar für alle Altersgruppen, für junge, coole Typen genauso wie für ältere Konzertbesucher!

Werden die Künstler gefunden oder finden diese Sie?

Beides. Es kommen viele Bewerber aus aller Welt. Von denen werden aber nur wenige dann wirklich genommen. Die meisten Künstler finden wir. Wir begeben uns auf die Suche, fahren zu Festivals auf der ganzen Welt und sehen uns Leute an. In den letzten Jahren haben wir auch immer mehr Künstler auf Youtube gefunden.

Das einzige Kriterium ist, dass sie eine Geschichte erzählen müssen!

Herr Tegetthoff, Sie sind mehr als nur ein Initiator des Internationalen Story Tellingfestivals. Sie sind vor allem Märchendichter. Wenn Sie eine Figur darin spielen würden, welche wäre es?

Ich spiele in allen meinen Märchen eine Rolle, weil sie aus mir, durch meine Erfahrungen, meine Eindrücke, meine Wahrnehmung entstanden sind. Das bedeutet, selbst wenn ich von einer Fee oder von einem König erzähle, dann schwingt etwas von mir mit, weil das Märchen durch mich hindurch spricht. Und würde ich mich in einem Märchen darstellen wollen, was ich als Person nicht tue und eigentlich nie vorkommt, dann würde ich mich wahrscheinlich als einen ganz bescheidenen Schafhirten darstellen, der auf einer Wiese hinter dem Baum sitzt und Menschen beobachtet.

Wie Sie wissen, beschäftige ich mich gerne mit Mode. Ist ein Herr Tergetthoff modeaffin? Wie wichtig ist Ihnen persönlich Mode? Mittel zum Zweck oder eine Form des Ausdrucks?

Für mich ist Ästhetik wichtig und in diesem Kontext hat auch Kleidung eine grosse Bedeutung. Wobei ich aber grundsätzlich zwischen Mode und Kleidung unterscheide: Mode ist etwas zeitlich Abhängiges, etwas, das kommt und geht. Kleidung sollte zeitlos sein und somit eher den Kriterien von Ästhetik entsprechen. Ästhetik in der Mode bedeutet der Versuch mich so zu kleiden, dass ich mir selber genüge leiste und damit einen Teil meiner Persönlichkeit zum Ausdruck kommen zu lassen. Nebenbei sollte es für mein Gegenüber auch noch nett zum Ansehen sein…

Wer kein Bewusstsein für Ästhetik hat, würde zu schwarzen Schuhen weisse Socken tragen.

Gibt es ein Werk von Ihnen, auf das Sie besonders stolz sind und mit dem Sie vielleicht etwas Spezielles verbinden? 

Ich verbinde mit jedem meiner Werke eine besondere und aussergewöhnliche Geschichte, denn nur so entsteht ein Buch. Ich bin kein Schriftsteller, der jedes Jahr ein Buch schreiben MUSS, sondern das Buch entsteht meist aus einem Anlass heraus. Damit ist jedes meiner Bücher wie ein Kind.

Das neueste und letzte Werk ist immer das wichtigste. So gesehen ist das Buch, an dem ich jetzt gerade schreibe, am wichtigsten. Dieses neueste Werk hat für mich auch einen besonderen Hintergrund: Meine Tochter Tessa, die auch das Festival leitet, hat mir vor 162 Tagen eröffnet, dass sie mich zum Grossvater machen wird. Seit diesem Tag schreibe ich jeden Tag eine Whats-App Nachricht an meinen ungeborenen Enkelsohn. Die letzte Nachricht wird der Tag seiner Geburt sein. Das Buch erscheint im Oktober.

Alles Gute an den werdenden Grossvater und vielen lieben Dank für das Interview!

Misses Popisses